Die versunkene Kranenburg im Steinhuder Meer

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Es ist schon längstens unter den Einwohnern in Steinhude von vielen, ja fast undencklichen Jahren her die allgemeine Rede gewesen, daß in dem Steinhuder Meer eine Stadt versuncken sey. Andre haben geglaubet, es sey nur ein Schloß, und wieder andere meynen, es sey nur eine Burg gewesen.

Daher auch noch eine Stelle im Meere angetroffen, welche bis auf den heutigen Tag auf der Burg genannt wird. Die allgemeine Erzählung aber ist diese: daß, wo das Meer zu finden, eine Stadt gestanden, welche untergegangen oder versuncken wäre. Dieses aber wollen sie daher beweisen, weil allerley Arten von Hausgeräthe wie kupferne Kessels, meßin-gene, auch eiserne Töpfe, Pfannen, Durchschläge, Heu- und Mistgabeln, Füllkellen, Theekessels, Hufeisen von Pferden, Theereimer mit Gelde und andere Sachen mehr im Meere gefunden und heraus geholet worden.

Sodann führete ja eine ordentlich mit Steinen gepflasterte Straße in das Meer, welche bey der Kirche wieder herauskäme und noch jetzt die Oldendorfer Straße genannt würde, weilen man darauf vor Zeiten von der Stadt oder Burg nach Oldendorf, einem längst verwüsteten Orte, in die Kirche gegangen wäre.

Auch wollen welche versichern, daß Brunnen unter dem Wasser, mit ihren Einfassungen, von einigen gesehen und erkannt worden und was dergleichen Dinge mehr sind.

Die Kranenburg, die wohl im 13. Jahrhundert vom Mindener Bischof als Schutz gegen die Grafen von Roden angelegt und bald nach 1320 zerstört wurde, liegt unter dem Meeres-Spiegel etwa 150 Meter vor der Steinhuder Seepromenade. Später hob sich der Wasserspiegel des Meers und überflutete die Burg und das alte Dorf Steinhude, dessen Bewohner sich dann auf dem höhergelegenden Gelände im Süden ansiedelten.

Quelle: Die schönsten Sagen aus Hannover und Umgebung
von Helmut Zimmermann